Das «Café International» bereichert Küsnacht

Jeden Mittwochnachmittag öffnet die katholische Kirche das «Café International». Damit bietet sie in Küsnacht lebenden Flüchtlingen eine Möglichkeit zum Kontakt mit der einheimischen Bevölkerung.

Mara und Ricka aus Eritrea (Bild links) sowie rund ein Dutzend weitere Frauen und Kinder gehören zu den Stammgästen im Café International. F: aj.

Die Besucherinnen im Café International, es sind fast ausschliesslich Frauen mit ihren Kindern, stammen aus Eritrea, Kamerun und dem Kongo. Die meisten von ihnen wohnen schon zwischen drei bis fünf Jahren in Küsnacht. Trotzdem erzählen mehrere der Frauen, sie hätten sich bis anhin praktisch nur unter Schicksalgenossen bewegt und seien kaum in Kontakt mit einheimischen Küsnachterinnen und Küsnachtern gekommen.
Seit vergangenem Dezember bietet ihnen das Café International im Jugendraum des katholischen Pfarreizentrums, die Möglichkeit, sich mit Einheimischen auszutauschen, ihnen Fragen über die Schweiz, das politische System hierzulande, Traditionen und Gebräuche zu stellen, sowie auch eine Gelegenheit, ihr Deutsch zu verbessern. «Für mich ist damit ein Traum in Erfüllung gegangen», sagt Thérèse aus Kamerun. Der Umgang hier sei schon sehr anders als in Afrika, man komme nicht so einfach miteinander ins Gespräch, meint die junge Frau. Dank dem Café International, in dem sich rund ein Dutzend Frauen nun mehr oder weniger regelmässig mit Mitgliedern der katholischen Pfarrgemeinde zu Kaffee und Kuchen treffen, kenne sie jetzt auch einige langjährige Bewohnerinnen der Gemeinde. Sie freut sich sehr darüber, dass man sich nun manchmal begegnet und so spontane Gespräche beim Einkaufen oder im Zug entstehen.

Eritreerinnen bekochten die Gruppe
Wie Charlotte Schaedler, Koordinatorin dieses interkulturellen Treffens, erzählt, war man etwas überrascht, dass der Kontakt zur einheimischen Bevölkerung das Hauptanliegen ist, das mit dem Café International befriedigt werden kann. «Wir dachten zuerst, es sei vor allem nötig, Hilfe anzubieten, um sich in der Schweiz zurechtzufinden », erzählt sie. Doch da die meisten Besucher schon einige Zeit in der Schweiz leben, bräuchten sie dies gar nicht mehr. Diejenigen, die unmittelbar in Küsnacht angekommen sind, seien indes sehr schwierig zu erreichen und hätten den Weg ins Café International bisher noch nicht gefunden.
Schaedler und ihr Team kommen dem Wunsch der Besucherinnen aber sehr gerne nach und fördern mit Freude den Austausch zwischen den Kulturen. So organisierten sie auch mal eine Politiklehrstunde und fanden in Claudio Aggazzi einen ehemaligen Sekundarlehrer, der allen Interessierten einmal pro Woche Deutsch unterrichtet. Ein Highlight war bisher ein Nachmittag an dem die Fraktion aus Eritrea ein traditionelles Frühstück aus ihrer Heimat für die ganze Gruppe zubereiteten. Sogar selbst vor Ort gerösteter Kaffee wurde serviert. «Das war ein einmaliges und wunderbares Erlebnis», schwärmt Schaedler.

Beim Besuch im Café International spürt man sofort, dass hier nicht nur ein spannender Austausch stattfindet, sondern auch schon herzliche Freundschaften entstehen.

28.05.2015 Von: Annina Just
Küsnachter Amtlich